Sozialdokumentarisch
Grenzbereiche
Grenzbereiche und verwandte Genres
Ohne die engagierte Parteinahme für die Opfer sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Missstände wenden sich Fotografinnen und Fotografien auch gesellschaftlichen (sozialen) Fragen zu. Beispielhaft seien hier Diane Arbus und Tina Barney genannt. Während Arbus eindringliche Aufnahmen behinderter und anderer Menschen am Rande der Gesellschaft schuf, gelang Barney die Dokumentation der Lebenssituation der weißen Oberschicht in den Neu-England-Staaten der USA.
Sozialdokumentarisch im Wortsinne sind vielfältige Dokumentationen aus den Leben in bestimmten Städten, Landschaften oder Kulturen. So vielfältig wie die Möglichkeiten sind die Beispiele. Stellvertretend kann Roman Vishniac erwähnt werden, der mit seinen Fotografien das jüdische Leben im Osteuropa vor dem Holocaust festhielt (Verschwundene Welt, München, 1996).
Ein weiteres Genre, das den Verfahren und Ergebnissen sozialdokumentarischer Fotografie nahe ist, findet sich in der volkskundlichen Fotografie (die häufig Menschen in prekären Lebenslagen darstellt, mit ihrem Anliegen allerdings z. B. untergehende Lebens- oder Produktionsweisen, Traditionen, Wohnformen und Kleidung dokumentieren will). Ein bemerkenswerter Vertreter dieser fotografischen Richtung ist der Becher-Schüler Martin Rosswog (Martin Rosswog, München 2005). Er fotografiert seit vielen Jahren systematisch insbesondere Innenräume ländlicher Gegenden. Er erhält damit fotografierend verschwindende Lebensweisen (z.B. in auf den Äußeren Hebriden, Rumänien und Russland, aber auch in Deutschland, z.B. Höfe im Münsterland, ‚Schultenhöfe’, München 2005).
Die Kriegsfotografie, beispielsweise eines Robert Capa, zeigt wie die Werke der amerikanischen Bürgerkriegsfotografen das Elend des Krieges und kann damit auch im engeren Sinne schon der Sozialdokumentarischen Fotografie zugerechnet werden.
Im Umfeld gesellschaftlicher Bewegungen (1968er, Umwelt-, Antikernkraftbewegung und andere) hat sich auch eine Form dokumentarischer Fotografie etabliert, wie sie beispielhaft im Werk von Michael Ruetz zum Ausdruck kommt. Er begleitete ab Mitte der 1960er Jahre die damalige Studentenbewegung und lichtete Typisches dieser Zeit ab. Der Fotojournalismus wiederum nimmt oft Anteil an sozialen Fragen, ist aber nicht in jedem Fall als sozial engagierter Dokumentarismus zu verstehen, da die meisten der entsprechenden Reportagen einmaligen Aufträgen zu verdanken sein dürften.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdokumentarische_Fotografie // Lizenz: Creative Commons BY SA